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Es gibt nur einen grossen Leitsatz: Das Gas ist vorne rechts!

Interview mit Breuninger-Juniorchef Enrico Maurer zur momentanen Corona-Situation und dem Mehrwert einer solchen Krise durch die Präsidentin des Kantonalverbandes Aargauer Theater AarThe.

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Leo und Enrico Maurer in den Büroräumlichkeiten des Breuninger Verlags.

Die Theaterszene steht mehrheitlich still. Die Theatersaison im Frühjahr wurde durch das Corona-Virus abrupt beendet und grösstenteils verschoben. Auch Herbstproduktionen wurden bereits abgesagt oder verschoben. Viele Theaterproduktionen mussten dem Corona-Virus weichen – nach monatelanger, intensiver Vorbereitungszeit und Probenarbeit ein schwerer Schlag. Ein harter Schlag auch für unsere Theaterverlage.

Anita Stammbach-Bindt: Der Breuninger Verlag ist einer der zwei grossen Schweizer Theaterverlage und feiert im Jahre 2022 das 100-jährige Jubiläum. Von 1981 bis 2016 führte Rico Spring den Verlag.

Enrico Maurer:  Ja. Rico Spring war ein grosser Verleger und Autor und hat den Breuninger Verlag zu dem gemacht, was er heute ist: Das führende Verlagshaus im Segment Unterhaltungstheater. Natürlich ist Rico ein ganz grosses Vorbild – ich konnte sehr viel von ihm lernen. Künstlerisch wie auch geschäftlich. Früher wurden pro Saison noch 2-3 neue Stücke rausgebracht. Inzwischen gibt es pro Jahr 20-30 Neuerscheinungen. Das ist ihm zu verdanken.

Wie wurdest du zum neuen Gesicht des Breuninger Verlags?

Ich durfte im Jahre 2016 zusammen mit meinem Vater Leo Maurer dieses florierende Theaterunternehmen von Rico Spring übernehmen. Seitdem ist es ein Familienunternehmen. Mein Vater ist der Inhaber und ich bin der Geschäftsführer.

Wie kommt ein so junger Mann als Geschäftsführer zu einem der grössten Theaterverlage der Schweiz?

Meistens mit dem Auto.

Seit 2016 bist du als jüngstes Mitglied aller Regionalverbände bei uns im AarThe-Vorstand. Diese Tatsache macht mich als Präsidentin ganz besonders stolz. Wie gefällt dir diese Arbeit?

Die Arbeit im Verband ist äusserst interessant und vielseitig. Wir sind ein tolles Team und arbeiten sehr gut zusammen. Ich betreue dort das Ressort Stückwahl und Regie. Allgemein erachte ich den ZSV sowie die Regionalverbände als eminent wichtig für die Theatergruppen und Vereinstheater – man kann sehr viel profitieren.

Vater und Sohn im selben Unternehmen. Treten auch Konflikte zutage?  

Das gibt es doch in jeder Familie? Und vor allem in jedem Familienunternehmen. Wir ergänzen uns aber bestens. Mein Vater ist in vielerlei Hinsicht ein grosses Vorbild und ich bin für alles dankbar, was ich von ihm lernen kann. Zudem sind unsere Arbeitsfelder genau aufgeteilt und man vertraut einander gegenseitig – und eine gewisse Streitkultur braucht es in jedem Unternehmen, da man das bestmögliche Produkt anbieten möchte und wir ja dieselben Ziele verfolgen.

Die Corona-Krise trifft die gesamte Amateurtheaterszene sowie alle Kulturbetriebe sehr hart. Wie sieht die Situation bei euch aus?

Als nicht-subventioniertes, privatwirtschaftliches Theaterunternehmen ist so eine Situation natürlich verheerend. Seit März gibt es nahezu keine Tantiemen aus Theaterproduktionen mehr und die Stücke unserer ca. 200 Autoren liegen momentan mehrheitlich wie Blei im Gestell. Ein schwerer Schlag für unsere Autoren und für uns.

Wie geht ihr mit dieser Situation um?

Es gibt nur einen grossen Leitsatz: «Das Gas ist vorne rechts!». Auch in solchen Situationen kann sehr viel entstehen. Wir sind mit einem Social Media-Konzept an den Start gegangen und geben auf Facebook sowie Instagram interessante Hintergrundinformationen zum Verlag, führen Interviews, unterhalten mit witzigen Beiträgen und stellen regelmässig Stücke per Video vor. Die Resonanz ist durchwegs positiv und bestärkt uns natürlich weiterhin Vollgas zu geben.

Wie siehst du die Zukunft des Theaters?

Sobald diese Krise mehr oder weniger überstanden ist, wird das Theater noch einen grösseren Stellenwert einnehmen. Das Bedürfnis nach dem Gemeinschaftsgefühl zusammen etwas live zu erleben und vor allen Dingen als Theatergruppe etwas gemeinsam auf die Bühne zu bringen wird sicherlich noch stärker vorhanden sein als jetzt schon.

Das Theater hat sich gegenüber früher verändert. Was fällt dir speziell auf?

Ich glaube primär hat sich das Tempo verändert. Es braucht heutzutage viel mehr, um die Zuschauer bei Laune zu halten – auf der Bühne wie ja auch bei Film und Fernsehen. Wenn dich ein Film nach zehn Minuten nicht abholt, schaltest du auf einen anderen Sender. So ist es im Theater auch. Stücke brauchen Tempo und müssen die Zuschauer für sich einnehmen. Schlag auf Schlag. In bester Manier eines Johnson, Robinson oder Dempsey.

Sind das Autoren?

Nein, Boxer.

Du hast dieses Jahr das erste Mal einen Stückwahlkurs bei der GTG zusammen mit Adrian Kurmann vom Teaterverlag Elgg durchgeführt. Wie war die Zusammenarbeit?

Grossartig! Der Teaterverlag Elgg und wir haben ja schon seit Jahren ein gutes Verhältnis und die Partnerschaft zwischen Elgg und Breuninger ist enorm wichtig. Wir tauschen uns regelmässig aus, arbeiten zusammen für das Volkstheaterfestival Meiringen und werden nun weitere, gemeinsame Kurse durchführen.

Du bist seit der Geburt des Volkstheaterfestivals Meiringen mit dabei. Wie kamst du dazu?

Beat Schlatter, der ja die Idee für dieses Festival hatte, ist ein guter Freund von mir und fragte mich an, ob ich nicht Lust hätte mitzumachen – dies ist jetzt bereits schon drei Jahre her und die erste Ausgabe des Festivals letztes Jahr war ein grosser Erfolg und ein Muss für alle Theaterfans. Übrigens kann man sich noch bis Ende März 2021 für das Festival nächstes Jahr anmelden.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Vor allen Dingen Gesundheit, dass es der Familie und Freunden gut geht und wir Schritt für Schritt wieder zu einer gewissen Normalität kommen.

Und beruflich?

…auch hier, dass wir Schritt für Schritt wieder zu einer gewissen Normalität kommen. Kultur ist für einen gesunden Ausgleich von Geist und Seele systemrelevant – leider stammt dieser schöne und vor allem wichtige Satz nicht von mir, sondern von Regisseur Alex Truffer. Dem kann man sich jedoch nur anschliessen. Wir werden jedenfalls mit Herzblut und grösster Leidenschaft dafür sorgen, dass brillante Theaterstoffe nicht ausgehen werden und wir den Theatergruppen und deren Publikum allerbeste Unterhaltung bieten können.

Lieber Enrico, besten Dank für das interessante Gespräch. Ich hoffe, dass du noch viele Jahre in unserem Vorstand mitarbeitest und wir gemeinsam noch viele Projekte mit dem AarThe entwickeln und umsetzen können. Dem Theaterverlag Breuninger wünsche ich alles Gute für die Zukunft, verbunden mit dem Hinweis an alle Theaterleute in der Schweiz: Wir haben tolle Theaterstücke, die wir von den schweizerischen Theaterverlagen beziehen können und damit unterstützen wir die wichtige, kulturelle Vielfalt in unserem Land.